Der Spätherbst wird in der Wuxing-Lehre der Wandlungsphase Metall zugeordnet: das Qi des Metalls wird besonders präsent, im Menschenleben wie in der Natur.
Die Luft wird kühl, der Raum leer: alle Lebewesen ziehen sich zurück, es entsteht Abschiedsstimmung, aber auch ein Gefühl von Freiheit und Klarheit, wenn alles vergängliche vergeht.
Im Qigong sowie in der TCM wird dem Metall das Organsystem Lungen und Dickdarm zugeordnet.
Das Innen und Außen verbinden
Metall ist der beste Wärme- und Stromleiter – kein Wunder, dass das Qi des Metalls für Verbindung und Austausch steht. Die Lunge ist das einzige innere Organ, das sich lebenslang in einem direkten, ununterbrochenen Kontakt mit der Außenwelt befindet. Jeden Augenblick unseres Lebens teilen wir Luftmoleküle mit anderen Lebewesen: Die Grenze zwischen „innen“ und „außen“ wird durchlässig.
Die Nase und die Atemwege stellen eine unmittelbare Verbindung zur Außenwelt her, und die Haut sowie das Immunsystem (das Holobiom) bildet die größte Kontaktfläche zwischen unserem Organismus und seiner Umgebung.
Diese „Kommunikationsfähigkeit“ unterstützt auch der Dickdarm als Partnerorgan der Lunge: Staus und Undurchlässigkeit sind hier unangenehm und unerwünscht – das Qi soll fließen!
Aufnehmen und loslassen
Im Qigong ist Atmung weit mehr als die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff. Sie kann uns helfen, die Ganzheit des Körpers wahrzunehmen, zur Ruhe zu kommen und die Verbundenheit mit unserer Umgebung zu spüren.
Der Atem funktioniert nur in beide Richtungen. Würden wir nur einatmen, könntet wir schon nach kurzer Zeit nichts Neues mehr aufnehmen. Erst das Ausatmen schafft wieder Raum.
Darin steckt ein einfaches Bild für ein weiteres großes Thema des Metalls: Loslassen.
Die Natur macht es uns im Herbst vor. Blätter fallen, Pflanzen und Tiere ziehen sich zurück, die sommerliche Fülle verschwindet.
Was nicht mehr gebraucht wird, darf gehen; Wesentliches wird bewahrt und nach innen genommen.
Auch im menschlichen Leben gibt es solche Phasen. Gewohnheiten, Beziehungen, Vorstellungen oder Lebensabschnitte können zu Ende gehen. Nicht jedes Loslassen geschieht absehbar oder freiwillig – und deshalb gehören in der chinesischen Tradition auch Traurigkeit und Verlust zur Wandlungsphase Metall.

